Über die Entstehung des Dorfes Lichtringhausen ist bislang noch nicht viel geforscht worden. Zwar haben ehemalige Geistliche des Dorfes aus allen greifbaren Quellen Nachrichten zur Geschichte zusammengetragen, doch ist die eigentliche Dorfgeschichte bis heute nicht umfassend ausgearbeitet worden.

Einziger Anhaltspunkt für die Entstehung Lichtringhausens, früher oft Lechterkusen genannt, ist die Namensgebung selbst. So haben Sprachwissenschaftler nachgewiesen, daß Ortsnamen mit der Endung -hausen in der Zeit zwischen 700 und 800 entstanden sind. Dies deckt sich mit den Grabungsbefunden aus der Attendorner Pfarrkirche, deren Entstehung ebenfalls in diese Zeit fällt. Damals umgab man die Tauf- oder Mutterkirche mit einem Kranz von Dörfern und Einzelhöfen, die für den Unterhalt zu sorgen hatten.

Während Lichtringhausen politisch gesehen zum Amt Waldenburg gehörte, bestand aber auch noch eine regionale Einteilung des Kirchspiels Attendorn in fünf Bauernschaften: die Langenohler, die Albringhauser, Ennester, Heggener und Windhauser Bauernschaft. Zur Letzteren gehörten die Bauernhöfe in Windhausen selbst, dann die in Biekhofen, Bremge, Dahlhausen, Hebberg, Keseberg, Lichtringhausen, Rautersbeul und Weltringhausen.

Der Attendorner Pfarrer Johannes Zeppenfeld (1658 - 1693) rief im Jahre 1658, dem Jahr seines Amtsantrittes in Attendorn, alle alten Bürger der Stadt zusammen, um die Zustände der Pfarrei, wie sie vor dem 30jährigen Krieg bestanden, aufzuschreiben. Er faßte seine Notizen im sogenannten Pastoratrentenbuch zusammen, also jenem Verzeichnis, das in feinster Form sämtliche Einnahmen und Ausgaben regelte. In diesem Rentenbuch von 1658 berichtete er auch über fünf Lichtringhauser Höfe, die schon vor dem 30jährigen Krieg, also vor 1618 bestanden:

1. Das vorderste Guth in Lechterkusen, Kollen Guth genannt, ist ein Kottergut. Der neue Colon Hermann Storck seit 1692.
2. Langenohls Gut, so alsobaldt ober vorgeschriebenem Guth ligth, ist ein großes Guth, gehoerdt nach dem adeligen Haus Ahusen. Jetziger Colonus Johann Langenohl zu Lechterkusen.
3. Peters Guth zu Lechterkusen, so das mittelste Gut undt Haus im Dorff ist undt
4. Willemes Guth, so gerade hier boven ligt,
5. Bitteren Guth, so das aller oberste im Dorff ist."

Da die Namen der einzelnen Güter und Höfe, z. B. Bitter, zum Teil aus dem 15. Jahrhundert stammen, (Hilmann Bitter war Bürgermeister von Attendorn und hatte als solcher einen umfangreichen Grundbesitz) ist es auch hier nicht auszuschließen, daß die umgebenden Dorfschaften zur Ernährung der Attendorner Bürger durch Landwirtschaft und Viehzucht beitrugen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Jahre 1767 stiftete in Kreuznach der aus Lichtringhausen gebürtige Spitzenhändler Caspar Aßmann 800 Reichstaler zum Bau einer Kapelle und 1 000 Reichstaler für die Feier der hl. Messe an allen Sonn- und Feiertagen, damit, so Aßmann, die Gläubigen ihren christkatholischen Pflichten einigermaßen nachkommen könnten. In jedem Monat beanspruchte er eine hl. Messe für sich oder seine Anverwandten.

Im Jahre 1731 wurde Caspar Theodor Aßmann im Bittern-Haus geboren. Er hatte noch sieben Geschwister. Anton, sein ältester Bruder erbte Bitter-Gut und heiratete 1743 Katharina Springob vom Drosten-Gut auf dem Hebberg. Im selben Jahr heiratete übrigens seine älteste Schwester Maria Margarethe Aßmann bei Drosten in die Bauerei ein. Die jüngste Schwester von Caspar Aßmann, die Elisabeth hieß, heiratete 1763 ebenfalls einen Droste vom Hebberg, der Kaspar Theodor Springob hieß. Wahrscheinlich war es dieses Ehepaar, das unterhalb von Lichtringhausen den "neuen Hof" baute, von dem das heutige Neuenhof seinen Namen hat. Die Nachkommen dieser Ur-Neuenhöfer, von denen übrigens auch die Ackers Springobs in Lichtringhausen abstammen, sind die Einzigen in der Gemeinde Lichtringhausen, die heute von sich sagen können, mit Caspar Aßmann verwandt zu sein.

Doch so einfach, wie die Stiftung ins Leben gerufen wurde, gestaltete sich die Ausführung nicht. Von seiten des Kölner Generalvikariats ist in dem unfangreichen Schriftwechsel immer wieder davon die Rede, dass der Betrag von 800 Reichstaler zum Bau einer Kapelle nicht ausreiche und man so die Stiftung nicht annehmen könne. Schließlich kommt es aber nach harten Auseinandersetzungen zwischen dem Attendorner Pfarrer Bresser, dem Generalvikariat, den Stiftungsverwaltern und der Lichtringhauser Bevölkerung doch noch zum Bau einer Kapelle, und zwar im Jahre 1788. 

Doch allein mit dem Bau einer Kapelle war es nicht getan. Man brauchte schließlich auch einen Geistlichen, der die Stiftungsmessen zelebrieren konnte. Auch hier gab es erhebliche Schwierigkeiten. Zwar gab es in Attendorn zur Zeit der Kapellenerrichtung 1788 noch neben dem Pfarrer acht Vikare, die das sogenannte Chorkapitel bildeten, doch war es außerordentlich schwierig, einen der Herren nach Lichtringhausen zu bewegen, zumal der Weg dorthin (von Attendorn aus 1 1/2 bis 2 Stunden) sehr beschwerlich war, denn erst 1891 - 1893 wurde die heutige Straße gebaut. So wurden in der Zeit nach der Errichtung der Kapelle nur ca. 16 hl. Messen im Jahr gelesen. Die Situation besserte sich erst im Jahr 1902.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gleichzeitig mit der schwierigen Entwicklung zu Abhaltung eines sonntäglichen Gottesdienstes vollzog sich die Gründung eines Kapellenvereins am 17. Juni 1900. Man trug sich mit dem Gedanken, die vorhandene Kapelle von 1788 zu erweitern und kaufte zu diesem Zweck ein Grundstück von Fritz Bock an. 1905 stellte man die Vergrößerung der Kapelle zunächst einmal wieder zurück, da der Bonifatiusverein keine Unterstützung gewähren wollte. Außerdem stieß die Lage der Kapelle bei eng begrenztem und stark abfallendem Platze auf große Schwierigkeiten.

Rettender Engel in dieser schier ausweglosen Situation war der aus Weuste gebürtige und Kölner Domkapitular Prof. Dr. Alexander Schnütgen (1843 - 1918), der die heutige Lichtringhauser "St.-Jakobus" Kirche erbaute.

 

 

 

 

 

                       

In einer Zeitschrift für christliche Kunst schrieb A. Schnütgen 1911 über den Bau unserer  Kirche:                                                          

"Nachdem Bau und Einrichtung der Kirche in Listernohl längst abgeschlossen waren (1903), traten die etwa drei Stunden davon entfernten Bewohner des Dorfes Lichtringhausen an mich heran, mit dem Ansinnen, auch ihnen zur Erlangung einer Kirche behilflich zu sein. Ein Besuch des mir bis dahin kaum dem Namen nach bekannten Gebirgsdorfes am 17. September 1908 gewährte mir einen Blick in die, auch hinsichtlich der Seelsorge, traurige Lage der braven Bewohner, so daß schnell in mir der Entschluß reifte, ihren Wünschen zu entsprechen. Der Straßburger Münsterbaumeister Ludwig Arntz entwarf aufgrund meiner näheren Angaben den praktischen wie schönen Kirchbau, der sich mit dem anstoßenden Pfarrhaus zu einer prächtigen Gruppe vereinigt; eine Zierde für den Ort, ein Muster für weite Kreise."

 

 

 

 

Prof. Dr. Alexander Schnütgen

 

 

 

                                                                                                                                                                      

Die "St.-Jakobus d.Ä."- Kirche

 

 

Somit konnte die neue Kirche am 29. Januar 1911 feierlich ihrer Bestimmung übergeben werden. Im Sommer 2011 wurde das 100-jährige Jubiläum der Kirche an 3 Festtagen gebührend gefeiert. Nach der Lichtringhauser Kirche (1909-1910) baute A. Schnütgen noch die Kirchen in Listerscheid (1913) und Ennest (1915).
Nach dem Bau der Pfarrkirche in Lichtringhausen hatte die alte Kapelle von 1788 ihren eigentlichen Zweck verloren. Sie erfüllte seit dieser Zeit mehrere Funktionen. So wurde sie unter anderem als Theaterprobenraum (von 1947 - 1952) oder als Gymnastikraum für die Lichtringhauser Jugendfußballmannschaft (in den 60er Jahren) genutzt. 1969 sollte die Kapelle eigendlich in eine Leichenhalle umgewandelt werden. Doch dieser Plan scheiterte, da die entsprechenden Kosten nicht aufgebracht werden konnten. Heute dient sie als Treffpunkt für die Jugendlichen.

Das Lichtringhauser Vereinsleben fand seine Geburtsstunde im Jahre 1897 mit der Gründung des Männergesangvereins. Damals hatten sich sangesfreudige Männer aus Lichtringhausen und den benachbarten Ortschaften Neuenhof, Hebberg, Ebbelinghagen und Weltringhausen zusammengefunden, um einen Männerchor zu gründen. Die Gründungsversammlung fand im Hause des Schreinermeisters Feldmann statt. Als Probelokal diente in den ersten Jahren die Werkstatt der Schreinerei. Von 1902 an konnte der Chor regelmäßig seine Proben in der Gastwirtschaft Wilhelm Kramer abhalten. Sowohl der Männergesangverein, als auch der Frauenchor proben auch heute noch im Gasthof Kramer.

1927 wurde der Schützenverein "St.-Jakobus" ins Leben gerufen. 1932 folgte die Karnevalsgesellschaft Neuenhof. 1959 gründete sich der Sportverein Lichtringhausen. Die Gründungsversammlung des Musikvereins Lichtringhausen fand am 17. September 1965 im Gasthof Kramer statt. Schließlich feierte 1989 der Frauenchor Lichtringhausen seine Geburtsstunde.
Der Sportverein Lichtringhausen fusionierte im Jahre 1993 mit den Sportfreunden Windhausen zum SC Windhausen / Lichtringhausen. Um den sportlichen Erfolg langfristig zu sichern schloss sich die Fußball-Abteilung des Vereins 2005 mit dem SC Listernohl zum SC LWL 05 (Listernohl-Windhausen-Lichtringhausen) zusammen. Dieser Fusions-Club ist damit der jüngste der örtlichen Vereine.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kapelle in Lichtringhausen